Frohe Weihnachten – Kurt gib ned auf!

Lucas_Cranach_-_AntichristAlle Jahre wieder. Weihnachtspredigten. Und – wie halt so üblich wird von Solidarität geredet. Und davon die Schwachen zu unterstüzten. Wenn man dann mal selbst Probleme hat, ja dann ist ja der Liebe Gott da und spendet einem Trost. Wenn sonst nichtsmehr hilft, Gott tröstet immer. Möglicherweise hatte Lenin die Weihnachtspredigten im Sinn, als er schrieb:

Opium für das Volk
Die Religion ist eine Form des geistigen Jochs, das überall und allenthalben auf den durch ewige Arbeit für andere, durch ein Leben in Elend und Verlassenheit niedergedrückten Volksmassen lastet. Die Ohnmacht des Ausgebeuteten im Kampf gegen die Ausbeuter läßt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits aufkommen, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf gegen die Naturgewalten den Götter-, Teufel-, Wunderglauben usw. aufkommen ließ. Wer sein Leben lang schafft und darbt, den lehrt die Religion Demut und Geduld im irdischen Leben und vertröstet ihn auf den himmlischen Lohn. Wer aber von fremder Hände Arbeit lebt, den lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden; sie bietet ihm eine wohlfeile Rechtfertigung für sein Ausbeuterdasein und verkauft zu billigen Preisen Eintrittskarten zur himmlischen Seligkeit. Die Religion ist das Opium für das Volk. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz, ihren Anspruch auf ein auch nur halbwegs menschenwürdiges Dasein ersäufen.

Aber die Bischöfe sind ja ein bisschen Näher an der Zeit. Und damit auch an den aktuellen Problemen – die in mancher Weise schon immer die ‘aktuellen Probleme’ waren. Aber es tut halt gut, wenn Bischöfe mit schönen Hütchen – vielleicht sogar in Weihrauch geschwängerten Kirchen – zu Frieden und sozialer Gerechtigkeit aufrufen.

Das wir unseren Egoismus überwinden müssen ist auch klar. Wie das ganze Jahr über die Kirchenmänner gezeigt haben, wie man den Egoismus überwindet ist schliesslich auch ein grosser Trost. Achja – vor ich es vergesse – Demut. Ja, Demut ist auch wichtig. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das meiste könnte man aufzeichnen. Und – drei oder vier Sätze ausgetauscht – die nächsten zehn Jahre immer wieder aufführen. Aufführung, hm, keine schlechte Idee. Doch nicht nur an Weihnachten. Nein, Trost spenden ist in diesen harten Zeiten auch unterm Jahr nicht verkehrt.

exod 28 - aaron in robes

Die Menschlichkeit, zu der aufgerufen wird, die lasse ich besser mal weg. Weil – gerade 2009 – sind mir zu viele Dinge von kirchlicher Seite aus gesagt worden, die ich nicht für besonders menschlich halte. Um an bestehenden Dogmen festhalten zu können, wird das Leben von Millionen Menschen gefährdet. Absichtlich. Kondome, Papst, AIDS. Mehr brauch ich dazu wohl nicht zu sagen.

Ein komisches Gefühl habe ich schon: Für viele kann der Text von Hubert von Goisern – Kurt gib nicht auf – mindestens soviel Trost spenden, wie manche der Predigten. Und – so nehme ich doch wenigstens an – Goisern weiss ein bisschen mehr vom Leben, als manch ein Priester.

Den Text möchte ich euch nicht vorenthalten. Den Link zu Last.fm zum anhören gibt’s ganz am Schluss.

Kurt gib nicht auf!
Auf meinem Bergesgipfel
sitz ich nun schon ein paar Jahr
da lichtet sich der Nebel
und es wird mir plötzlich sonnenklar

Der Wahnsinn nimmt nur zu
und die Probleme werden größer
ja sogar die Gamserl ham an Streß
und werd’ von Tag zu Tag nervöser

In meinem Kopf da tanzen
lauter kleine Zwerge
und alle meine Freunde
sind schon längst über die Berge

Doch wie ich da so hier
auf diesen kahlen Felsen stier
hör ich wie Mohammed
deutlich eine Stimme über mir

Kurt gib nit auf
wann’s amoi nit so lauft
Nur nit aufgeben
Du wirst es überleben

Kurt gib nit auf
setz di zu uns und sauf
Auf di schaut die Welt
du bist a Held – jå, jå
auf di schaut die Welt
du bist a Held

Vor einer Woche
es war mitten in der Nacht
bin ich in meinem Bette
schweißgebadet aufgewacht

Es hat mordsgescheppert und
ich denk mir bist du deppert
vor mir steht ein Herr
“Gestatten Luzifer”

Verdattert und benommen
Fa-fa-fange ich zu stottern an
“der Kühlschrank mit dem Bier
steht ne-ne-nebenan”

Dem Teufel aber ist des wurscht
Er will mein Blut gegen den Durscht
und zeigt mir seinen Zuzelzahn
da fangt’s in mir zu jodeln an

Kurt gib nit auf
wann’s amoi nit so lauft
Nur nit aufgeben
Du wirst es überleben

Kurt gib nit auf
setz di zu uns und sauf
Auf di schaut die Welt
du bist a Held – jå, jå
auf di schaut die Welt
du bist a Held

Und hier die Musik: Hubert von Goisern und die Alpinkatzen – Kurt Gib Nicht Auf – Kostenlos Musik hören bei Last.fm

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